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Schlagwortarchiv für: KI in der Reinigung

Robotik in der Gebäudereinigung: Warum Technologie den Menschen nicht ersetzt, sondern unterstützt

August 11, 2026/in blog, Tipps & Trends/von Mario Reichel

Dieser Beitrag entstand auf Basis eines Interviews des Fachmagazins rationell reinigen mit Thomas Dannhof, CFO von BLITZBLANK.

Künstliche Intelligenz ist grundsätzlich nichts Neues. Unternehmen beschäftigen sich seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, mit intelligenten Systemen und automatisierten Prozessen. Was sich in der jüngsten Vergangenheit allerdings massiv verändert hat, ist der Zugang zur Technologie. Heute können enorme Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden, Systeme lernen schneller und Anwendungen werden zunehmend einfacher und wirtschaftlicher.

Auch in der Gebäudereinigung ist diese Entwicklung längst angekommen. Dabei ist Reinigung im Kern ein Handwerk und wird es auch bleiben. Gleichzeitig erleben wir gerade einen enormen Entwicklungsschub im Bereich Robotik und Automatisierung.

BLITZBLANK beschäftigt sich bereits seit 2015 intensiv mit diesem Thema. Damals steckten viele Systeme noch in den Kinderschuhen. Die technischen Möglichkeiten waren begrenzt, die Anschaffungskosten hoch und ein wirtschaftlicher Einsatz nur in wenigen Bereichen realistisch. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat sich das grundlegend verändert. Reinigungsroboter sind leistungsfähiger, zuverlässiger und vor allem wesentlich günstiger geworden. Damit ist die Technologie erstmals auch für deutlich mehr Einsatzbereiche interessant.

BLITZBLANK - Robotik in der Gebäudereinigung

 

Europa hat Aufholbedarf – nicht beim Innovationswillen

Im internationalen Vergleich gibt es in Europa und insbesondere in Österreich durchaus noch Aufholbedarf. Das liegt jedoch nicht daran, dass es an Innovationswillen fehlt.

Österreich ist ein kleiner Markt. Unsere Objektgrößen, Unternehmensstrukturen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich von Deutschland, den USA oder Asien. Ein Roboter kostet in Österreich aber im Wesentlichen genauso viel wie auf einem deutlich größeren Markt. Damit stellt sich die Wirtschaftlichkeitsfrage bei uns wesentlich früher.

Hinzu kommt ein unterschiedliches gesellschaftliches Mindset. Wer viel in Asien unterwegs ist, erlebt Robotik dort als vollkommen selbstverständlichen Teil des täglichen Lebens. Roboter bewegen sich durch Flughäfen und Einkaufszentren, übernehmen Servicetätigkeiten oder liefern Essen. Die Menschen gehen daran vorbei, ohne groß darüber nachzudenken.

In Europa begegnen wir dieser Entwicklung deutlich skeptischer. Gleichzeitig verfügen wir über eine sehr ausgeprägte regulatorische Kultur. Richtlinien, Normen, Sicherheitsanforderungen und gesetzliche Vorgaben haben selbstverständlich ihre Berechtigung. Gerade dort, wo Menschen und autonome Maschinen miteinander interagieren, sind Sicherheitsstandards unerlässlich.

Die Herausforderung besteht aber darin, dass Entwicklung dadurch teuer und langwierig wird. Während man in manchen asiatischen oder amerikanischen Märkten Technologien schneller in die Anwendung bringt, Erfahrungen sammelt und anschließend optimiert, versucht Europa häufig, möglichst viele Eventualitäten bereits im Vorfeld zu regeln.

Das sorgt für Sicherheit, kostet uns aber auch Geschwindigkeit.

BLITZBLANK - Robotik

 

Ein Roboter muss vor allem eines können: reinigen

Bei Reinigungsrobotern unterscheiden wir heute unter anderem zwischen Saugrobotern, autonomen Bodenwaschautomaten und perspektivisch auch humanoiden Systemen.

Besonders effizient ist Robotik derzeit auf großen, zusammenhängenden Flächen – beispielsweise in Foyers, öffentlichen Gebäuden, Verkehrseinrichtungen, Sporthallen oder Produktionsbereichen.

Das entscheidende Kriterium bleibt aber immer die Reinigungsqualität.

Ein Reinigungsroboter kann noch so schnell sein, eine hervorragende Software besitzen und technologisch beeindruckend wirken: Wenn er schlechter reinigt als eine konventionelle Reinigungsmaschine, hat er seinen Zweck nicht erfüllt.

Er muss reinigen. Und er muss gut reinigen.

Erst danach kommen Geschwindigkeit, Software, Vernetzung oder Design. Und natürlich muss sich sein Einsatz wirtschaftlich rechnen.

Gerade bei den Preisen erleben wir derzeit eine enorme Dynamik. Gleichzeitig fehlen uns noch langfristige Erfahrungswerte. Welche Elektronik wird verbaut? Wie langlebig sind Komponenten? Wie entwickeln sich Wartungs- und Reparaturkosten? Gibt es nach fünf Jahren einen Wiederverkaufswert? Welche Hersteller verfügen dann noch über Ersatzteile und Support?

Diese Fragen werden den Markt in den kommenden Jahren stark differenzieren.

Deshalb ist beim Kauf eines Roboters nicht nur die Qualität der Maschine entscheidend. Ebenso wichtig sind After-Sales-Service, Ersatzteilversorgung, Wartungsmöglichkeiten und die Verlässlichkeit des Herstellers oder Lieferanten.

Der größte Irrtum: „Dann brauche ich keine Reinigung mehr“

Die Erwartungen der Kunden an Robotik sind sehr unterschiedlich. Häufig steht zunächst die Hoffnung auf Kosteneinsparungen im Vordergrund. Erst danach kommt die Frage nach Qualität.

Viele Kunden glauben, mit der Anschaffung eines Roboters könne man einen wesentlichen Teil der professionellen Reinigung überhaupt einsparen. Genau darin liegt eines der größten Missverständnisse.

Das hängt auch mit der Wahrnehmung unserer Branche zusammen.

Professionelle Reinigung wird noch immer viel zu wenig als Handwerk verstanden. Jeder Mensch glaubt, er könne putzen. Aber kaum jemand würde daraus ableiten, dass er auch Tischler, Installateur oder Elektriker sein könne. Professionelle Reinigung erfordert jedoch genauso Fachwissen, Erfahrung, Maschinenkenntnis sowie ein Verständnis für Chemie, Materialien und Oberflächen.

In Österreich sprechen wir im Alltag noch immer schnell von der „Putzfrau“. Schon dieser Begriff zeigt, welche gesellschaftliche Wertigkeit der Tätigkeit teilweise zugeschrieben wird.

Und in dieses Mindset kommt nun die Robotik. Plötzlich entsteht die Vorstellung: Ich stelle eine Maschine hin und damit ist die Reinigung erledigt.

So funktioniert es nicht.

Moderne Roboter können bereits sehr viel selbstständig erledigen. Sie fahren autonom, laden sich auf, manche Systeme befüllen oder entleeren sich selbst. Trotzdem bestehen sie aus mechanischen und elektronischen Komponenten. Sensoren müssen gereinigt, Verschleißteile getauscht und Maschinen kontrolliert werden.

Ein Roboter ist deshalb nur dann effizient, wenn seine Betreuung funktioniert.

Wir sehen immer wieder Systeme, die nach einigen Monaten aus Unternehmen verschwinden, weil angeblich die Qualität nicht stimmt. Häufig liegt das Problem aber gar nicht an der Maschine, sondern an der fehlenden Verantwortlichkeit.

Wenn niemand zuständig ist, ob der Roboter tatsächlich fährt, gepflegt wird oder bei Problemen Unterstützung bekommt, kann das System nicht funktionieren.

Deshalb vertreten wir eine klare Position: Ein Reinigungsroboter ist in erster Linie ein Werkzeug für ein professionelles Reinigungsunternehmen und nicht automatisch ein Ersatz für dieses.

BLITZBLANK - Robotik ersetzt keine Menschen in der Reinigung

 

Robotik verändert Arbeit – sie schafft sie nicht einfach ab

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust gehört zu den größten Vorbehalten gegenüber Robotik.

Dabei erleben wir im Grunde nichts völlig Neues. Seit der Industrialisierung übernehmen Maschinen Tätigkeiten, die zuvor ausschließlich von Menschen durchgeführt wurden. Dadurch haben sich Berufe verändert.

Für Reinigungskräfte bedeutet Robotik nicht zwangsläufig, dass ihre Arbeit verschwindet. Sie verändert sich.

Die Person, die früher mehrere Stunden auf einer Reinigungsmaschine gesessen ist, wird künftig möglicherweise einen autonomen Roboter steuern, kontrollieren, warten und anschließend jene Bereiche bearbeiten, die eine Maschine nicht erreicht.

Dazu gehören Ecken, Ränder, Mobiliar, Sanitärbereiche, Glasflächen und viele andere Tätigkeiten.

Natürlich gibt es Ängste. Manche Mitarbeiter sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, andere haben schlicht Respekt vor der Technik und fragen sich, ob sie die Maschinen bedienen können.

Das ist ein Lernprozess.

Auch unsere Branche hat bereits viele solche Veränderungen erlebt. Früher arbeiteten wir mit einfachen Mop-Systemen, später kamen Mikrofaser, moderne Reinigungsmaschinen, digitale Dosiertechnik und andere Hilfsmittel hinzu.

Robotik ist der nächste Entwicklungsschritt.

Personalmangel als einer der stärksten Treiber

Ein entscheidendes Argument für Robotik ist der zunehmende Personalmangel.

Gerade im mittleren Management und bei unseren Objektleitern ist der operative Druck unmittelbar spürbar. Wenn für eine bestimmte Aufgabe künftig statt drei Reinigungskräften nur noch zwei Personen benötigt werden, weil ein Teil der Fläche autonom bearbeitet werden kann, ist das ein sehr konkreter Nutzen.

Nicht, weil der Roboter den Menschen vollständig ersetzt, sondern weil er dort unterstützt, wo Personal zunehmend schwer zu finden ist.

Genau hier entsteht Akzeptanz.

Wenn Objektleiter feststellen, dass Abläufe stabiler werden, weniger Personal kurzfristig ersetzt werden muss und gleichzeitig die Qualität stimmt, wird Technologie nicht mehr als zusätzliche Belastung wahrgenommen, sondern als echte Unterstützung.

Dasselbe gilt für Reinigungskräfte selbst. Wenn eine Maschine körperlich anstrengende, monotone Tätigkeiten übernimmt, kann das zu einer deutlichen Entlastung führen.

Technologie allein überzeugt niemanden. Die konkrete Erleichterung im täglichen Arbeitsablauf schon.

Künstliche Intelligenz macht Robotik intelligenter

Künstliche Intelligenz wird für die Weiterentwicklung von Reinigungsrobotern eine zentrale Rolle spielen.

Ihre Stärke liegt darin, enorme Datenmengen zu verarbeiten, Muster zu erkennen und daraus in kürzester Zeit Entscheidungen abzuleiten. Reinigungsroboter können dadurch Bewegungsabläufe optimieren, Flächen erkennen, Hindernissen ausweichen und aus vergangenen Einsätzen lernen.

Noch spannender wird allerdings die Kombination aus KI und bedarfsorientierter Reinigung.

Warum soll ein Bereich gereinigt werden, nur weil im Leistungsverzeichnis steht, dass er jeden Dienstag gereinigt wird?

Visuelle KI kann heute bereits feststellen, wo tatsächliche Verschmutzungen vorhanden sind, wo ein Mistkübel voll ist oder welche Flächen besonders stark frequentiert wurden. In Zukunft können Reinigungskräfte oder Roboter genau dorthin geschickt werden, wo tatsächlich Bedarf besteht.

Das verändert die Logik der Reinigung grundlegend: weg von starren Intervallen, hin zur bedarfsgerechten Leistung.

KI ist dabei für uns kein Angstgegner. Sie ist ein Werkzeug.

Gefährlich wird sie nur dann, wenn wir selbst aufhören, uns weiterzuentwickeln.

BLITZBLANK - Künstliche Intelligenz macht Robotik intelligenter

Datenschutz: reale Risiken statt theoretischer Ängste

Ein weiteres großes Thema beim Einsatz autonomer Systeme ist der Datenschutz.

Natürlich müssen Unternehmen wissen, welche Daten eine Maschine erhebt, ob Kameras eingesetzt werden, wo Informationen verarbeitet werden und ob Daten übertragen oder gespeichert werden.

Diese Fragen sind berechtigt.

Gleichzeitig müssen wir Risiken auch realistisch bewerten. Moderne Gebäude verfügen heute über eine Vielzahl vernetzter Systeme, Kameras und Sensoren. Ein Reinigungsroboter ist damit nicht das erste technische Gerät, das Daten innerhalb eines Gebäudes verarbeitet.

Entscheidend ist daher nicht die pauschale Frage, ob ein Gerät eine Kamera besitzt, sondern welche Daten tatsächlich erfasst werden, wofür sie benötigt werden, wo sie verarbeitet werden und welchen Schutzbedarf sie haben.

Auch ohne Robotik existiert Vertraulichkeit als Thema. Reinigungskräfte betreten seit Jahrzehnten Büros, Produktionsstätten und teilweise höchst sensible Bereiche von Unternehmen. Dafür bestehen Verträge, Verschwiegenheitsverpflichtungen und Sicherheitskonzepte.

Genau diesen professionellen Umgang benötigen wir auch bei Robotik und KI.

Wohin BLITZBLANK in den nächsten fünf Jahren will

BLITZBLANK beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Digitalisierung, Robotik und KI. Dabei haben wir viel ausprobiert, gelernt und auch technische, organisatorische und wirtschaftliche Grenzen kennengelernt.

Unser Ziel für die kommenden fünf Jahre ist klar: Überall dort, wo es sinnvoll und wirtschaftlich möglich ist, wollen wir Robotik als Unterstützung für unsere Reinigungskräfte einsetzen.

Besonders große Potenziale sehen wir auf öffentlichen Flächen und im öffentlichen Nahverkehr. Dort sind die Voraussetzungen für autonome Systeme aufgrund der Flächengrößen besonders interessant.

Gleichzeitig setzen wir stark auf Mobilität.

Nicht jedes Objekt braucht zwingend einen eigenen Roboter. Bereits heute arbeitet bei uns beispielsweise ein eigenes Team mit einem System, das von Sporthalle zu Sporthalle transportiert wird und dort autonom seine Arbeit verrichtet. Solche Modelle können Robotik auch dort wirtschaftlich machen, wo die einzelne Fläche für eine eigene Maschine zu klein wäre.

Darüber hinaus wollen wir eine eigene Einheit schaffen, die sich abseits des operativen Tagesgeschäfts intensiv mit Robotik, KI und deren Integration in kleinere Unternehmensstrukturen beschäftigt.

Bei humanoiden Robotern sind wir dagegen bewusst zurückhaltend. Um einen Boden zu reinigen oder ein Fenster zu waschen, brauchen wir nicht zwingend eine Maschine, die wie ein Mensch aussieht. Spezialgeräte werden für viele Aufgaben effizienter sein.

Nicht darüber nachdenken – ausprobieren

Unternehmen, die sich heute mit Robotik beschäftigen, würde ich vor allem eines empfehlen: Nicht jahrelang darüber diskutieren, sondern beginnen und ausprobieren.

Mittlerweile gibt es genügend Hersteller und Lieferanten mit umfangreicher Erfahrung. Autonome Reinigungsmaschinen existieren in unterschiedlichsten Größen und Preiskategorien. Damit ist Robotik heute auch für kleinere und mittlere Unternehmen interessant.

Wichtig ist allerdings, nicht einfach irgendeinen Roboter zu kaufen.

Man muss wissen, welche Maschine für welche Fläche geeignet ist, wie sie betreut wird, welche Ersatzteile verfügbar sind und welchen Service der Hersteller bietet.

Ebenso entscheidend sind Daten aus dem laufenden Betrieb. Wir wollen genau wissen, welcher Roboter wo fährt, wie lange er arbeitet, welche Leistung er erbringt und wo Probleme entstehen.

Hier setzen wir unter anderem auf ToolSense, mit denen wir auch als Entwicklungspartner zusammenarbeiten.

Je mehr Unternehmen sich mit diesen Technologien beschäftigen, desto schneller wird sich unsere gesamte Branche weiterentwickeln. Deshalb halte ich auch den offenen Austausch zwischen Unternehmen für wichtig. Nicht jeder muss dieselben Fehler selbst machen.

Der Roboter bleibt ein Werkzeug

Bei aller Diskussion über KI, Automation und Zukunftstechnologien sollte man Robotik nicht mystifizieren.

Ein Roboter ist letztlich ein Werkzeug.

Nicht mehr und nicht weniger.

So wie ein Schraubenzieher, eine Bohrmaschine oder eine automatische Säge. Der Mensch entwickelt Werkzeuge, um Arbeiten einfacher, effizienter, sicherer oder besser ausführen zu können.

Genau so sollten wir auch Robotik betrachten.

Sie wird unsere Branche verändern. Sie wird Tätigkeiten verschieben, Prozesse effizienter machen und Reinigungskräfte in vielen Bereichen entlasten. Sie wird aber professionelle Reinigung nicht überflüssig machen.

Unsere Aufgabe als Branche ist es deshalb nicht, gegen diese Entwicklung anzukämpfen. Unsere Aufgabe ist es, sie so zu gestalten, dass Technologie, Wirtschaftlichkeit, Qualität und der Mensch gemeinsam funktionieren.

Denn am Ende ist nicht entscheidend, wie intelligent eine Maschine ist.

Entscheidend ist, ob sie uns dabei hilft, unsere Arbeit besser zu machen.

 

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